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Historische Röhrenmikrophone – Geschichte und praktischer Einsatz

Unter den verschiedenen Bauformen, in denen Mikrofone für den Einsatz bei Musikaufnahmen auf den Markt kommen, genießen traditionell die sogenannten Kondensator-Mikrofone den besten Ruf. In der Tat zeigt sich – wenn nicht besondere praktische Anforderungen gegen seinen Einsatz sprechen – das Kondensatormikrofon als die klanglich hochwertigste Bauform. Bevor um 1965 die ersten mit Feldeffekt-Transistoren aufgebauten Kondensatormikrofone auf den Markt kamen, waren die Schaltungen der im Mikrofon eingebauten Verstärker mangels geeigneter Alternativen mit zumeist einer (selten mehreren) Röhre(n) aufgebaut. Den unbestreitbaren, betriebspraktischen Vorzügen des transistorisierten Kondensatormikrofons zum Trotz hielten zahlreiche Studios an ihren altbewährten Röhrenmikrofonen fest, für die sie in aller Regel ein angenehmeres Klangbild reklamierten: technisch kaum greifbare Begriffe wie "Wärme", "Musikalität", "Natürlichkeit" stehen neben handfesten Vorteilen, etwa dem im Vergleich zu den frühen Transistor-Vertretern oftmals hörbar geringeren Eigenrauschen.

Der in der Folge eines sich abzeichnenden Vintage-Revivals entstehende Run auf alte Röhrenmikrofone führte bereits Mitte der 90er Jahre zu teilweise völlig absurden Preisforderungen für gebrauchte Röhren-Mikrofone. Die Situation wurde verschärft durch die Tatsache, daß der führende bundesdeutsche Hersteller von Kondensatormikrofonen, die Firma Georg Neumann GmbH in Berlin, traditionell nur Rundfunkanstalten und Schallplattenfirmen mit ihren Geräten beliefert hatte: das Heim- oder Projektstudio heutigen Zuschnitts existierte in den Nachkriegsjahren bis etwa 1970, als die Röhrenmikrofon-Fertigung allmählich auslief, noch nicht. Entsprechend klein sind die produzierten Stückzahlen, die je nach Typ von wenigen 100 bis an die 10'000 Stück reichten. In die Hände anspruchsvoller Tonamateure gelangten nur wenige Exemplare. Die heute noch auf dem Markt vorhandenen Exemplare entgingen oft nur durch einen glücklichen Zufall der Verschrottung, die eine weitere, massive Dezimierung der Bestände bedeutete.

Aufgrund der deutschen Teilung zwischen 1945 und 1990 gab es viele Firmen "doppelt": Zeiss (West: Oberkochen, Ost: Jena) ist wohl das prominenteste Beispiel, aber auch die Firma Neumann existierte bis Anfang der 1970er Jahre unter diesem Namen ("Georg Neumann & Co.") im vogtländischen Gefell. Ursprünglich war der Standort Gefell im 2. Weltkrieg eine Auslagerung des Betriebs aus dem von alliierten Bombenangriffen bedrohten Berlin.

Aus dem um 1970 zwangsverstaatlichten und in VEB Mikrofontechnik Gefell umbenannten Unternehmen wurde nach 1990 im Zuge eines Management-Buy-Outs die Microtech Gefell GmbH. Eine nach der Wiedervereinigung zunächst begonnene Zusammenarbeit mit Neumann Berlin mußte aufgegeben werden, nachdem das dortige Unternehmen an die Firma Sennheiser verkauft wurde. Die in Gefell bis heute produzierten Studio-Mikrophone knüpfen vielfach konstruktiv sehr deutlich an die Neumann-Mikrophontechnik der 30er bis 50er Jahre an.

Neumann-Röhrenmikrophone aus Gefell sind in ungleich größeren Stückzahlen gebaut worden als die West-Neumänner, und dank der im Vergleich zum Westen weniger ausgeprägten Wegwerf-Mentalität auch häufiger erhalten geblieben. Das Qualitätsniveau ist durchweg gut. DDR-Mikrophone aus Nicht-Neumann-Produktion sind hingegen in aller Regel von eher bescheidener Qualität.

Inzwischen haben praktisch alle führenden deutschen Mikrophonhersteller wieder Röhren-Mikrophone im Angebot. Der Betrieb dieser Mikrophone wirft kaum praktische Probleme auf, da sie in aller Regel als Komplettset mit Kabel und Netzteil angeboten werden. Schwieriger ist die Situation bei den historischen Mikros, die oftmals erst komplettiert werden müssen. Auf dieser Seite möchte ich einige praktische Hinweise geben, um einen Betrieb dieser historischen Schätze zu ermöglichen. Dabei konzentriere ich mich auf die Mikrophone mit Kleinmembran, da für diese nur sehr wenige moderne Alternativen bereitstehen. Eine Seite über Großmembran-Mikrophone folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Kleinmikrophone von Neumann, Berlin – KM 53, KM 54, KM 56


Abb.: Neumann KM 53, KM 54, KM 56

Das typische Kleinmembran-Kondensatormikrophon (von einigen als "Stäbchen" bezeichnet) kam Anfang der 1950er Jahre auf. Die Einführung des Fernsehens in Deutschland führte zu einer Nachfrage nach kleinen, möglichst unauffälligen Mikrophontypen, die im TV-Bild nicht störten. Erster Anbieter solcher Mikrophone war die Hamburger Firma Hiller, die eigentlich in der Fertigung von Spezialröhren zu Hause war, und die eine erste Miniaturröhre speziell für den Einsatz in Mikrophonen, die MSC 2, vorgestellt hatte. Die MSC 2 findet sich auch in den ersten Exemplaren der Neumann-Mikrophone M 49 und M 50, ferner wurde sie beim Rundfunk in den Nachkriegsjahren zur Modernisierung der Neumann-Flasche CMV 3, dem allerersten Neumann-Kondensatormikrophon von 1928, eingesetzt. Ein ausgezeichneter Artikel über diese Röhre und die Geschichte ihres Herstellers findet sich hier.

Mitte der 50er Jahre kam Neumann Berlin sukzessive mit einer Familie von drei Kleinmembranmikrophonen auf den Markt. Alle drei waren mit Metallmembranen ausgerüstet, als Verstärkerröhre diente die neue Miniaturtriode AC 701 k von Telefunken. Der geringe Durchmesser der Röhre erlaubte eine äußerst kompakte Bauform, die nicht größer ausfällt als die heutiger, transistorisierter Kleinmikrophone. Die einzelnen Mitglieder der Familie:

Streng genommen gehören in diese Aufstellung auch:

Zurück zur KM 53/KM 54/KM 56-Serie: der verwendete Steckverbinder ist ein 6-poliger DIN-Stecker mit Schraubverschluß ("Kleintuchel"), Anschlußbelegung:

Stift Bezeichnung
1 Modulation b
2 Heizung +4 V
3 Null Volt, Gehäuse
4 Anoden-/Kapselvorspannung +120 V
5 Modulation a
6 Meßeingang

Anschlüsse 1 und 5 ergeben einen erdfreien, symmetrischen Ausgang. Der Anschluß 6 soll laut Datenblatt im nachfolgenden Netzgerät mit dem Kabelschirm und Kontakt 3 (Masse) verbunden werden. Zur Vermeidung von Brummproblemen hat es sich allerdings als sinnvoll erwiesen, die Überbrückung der Kontakte 3 und 6 direkt in der mikrophonseitigen Kabelkupplung vorzunehmen.

Neumann KM 63, KM 64, KM 66, U 64, Schoeps M 221

Die Nachfolger der genannten Mikrophone wurden in den 60er Jahren die Typen KM 63, KM 64 und KM 66. Neu ist an der Elektronik ein Schalter zur Aktivierung einer 10 dB-Vordämpfung. Die Mikrophonkapseln sind deutlich modernere Ausführungen mit goldbedampfter Kunststoffmembran, sie wurden später in den Transistor-Mikrophonen KM 83/84/85 unverändert beibehalten. Innerhalb dieser Familie sind alle Kapseln zu allen Verstärkern mechanisch und elektrisch kompatibel. Die Anschlüsse sind zu den Vorgängertypen 1:1 identisch, einzig der Meßeingang ist weggefallen.

Ebenso lassen sich die Mikrophontypen M 221 A und M 221 B der Firma Schoeps, Karlsruhe, an Kabeln und Netzteilen der Neumann KM 5x-Serie betreiben. Auch die Schoeps-Röhrenmikrophone dieser Baureihe nutzen die AC 701. Ausführliche Informationen über das M 221 finden sich hier.

Eine Sonderstellung unter den röhrenbestückten Neumann-Kleinmikrophonen nimmt das U 64 ein. Äußerlich dem KM 64 verwandt, verwendet es eine besondere Röhre, einen sogenannten Nuvistor. Diese extrem kleine Röhrenbauform war um 1960 der letzte Versuch, der aufkommenden Transistortechnik mit einem neuen technischen Konzept Paroli zu bieten. Wichtigste Anbieter waren die US-Röhrenhersteller RCA und Sylvania. Das U 64 wurde fast nur in den USA verkauft, in Europa sind die Chancen, auf ein Exemplar dieses Typs zu stoßen, sehr gering. Problematisch ist hier die Ersatzteilsituation: da der Nuvistor allenfalls ein technologisches Strohfeuer darstellt, sind kaum Altbestände vorhanden, was die Beschaffung schwierig werden lässt. Zu beachten ist ferner, dass die Betriebsspannungen des U 64 von denen der übrigen Röhren-Kleinmikrophone abweichen. Dieses Mikrophon benötigt folglich ein eigenes, speziell angepaßtes Netzteil!

Ein Hinweis zum Thema "Kapseltausch": während die Kapseln von KM 63, U 64 und KM 64 untereinander ausgetauscht werden können (d.h. eine Kugel-Kapsel KK 63 paßt auch auf den Verstärker der "Niere" KM 64 und umgekehrt), ist dies zwischen den Typen KM 53 und KM 54 nicht möglich. Die Schaltungen der Mikrophone sind (wenn auch nur etwas) unterschiedlich, hier wäre im Bedarfsfalle eine Modifikation erforderlich.

Rundfunk-Spezialversionen – KM 25x, KM 26x


Abb.: Neumann KM 253, KM 254, KM 256, KM 264

Anfang der 1960er Jahre erschien eine Variante der drei Mikrophone, die für Anwendungen beim Rundfunk mit siebenpoligen, Hochfrequenz-dichten Anschlußarmaturen ("Großtuchel") ausgerüstet wurden. Die sonstigen Eigenschaften der Typen KM 253, KM 254 und KM 256 entsprechen denen der KM-5x-Serie. Die Steckverbinder finden sich auch in dem etwa gleichzeitig erscheinenden Großmembran-Mikrophon M 269, einer für die deutschen Rundfunkanstalten entwickelten Variante des Großmembran-Mikrophons U 67. Anschlußkompatibel sind ebenfalls die Modelle M 249 (Rundfunkversion des M 49) sowie M 250 (M 50). Analog zum KM 63/64 gab es auch wieder eine Rundfunk-Variante KM 263/264.

Die Anschlußbelegung der (K)M 2xx-Familie im Vergleich:

Stift
KM 25x / KM 26x
M 269
U 67 *
1
Modulation a
2
Modulation b
3
Meßeingang
Chassis
4
Heizung +4 V
- 6,3 V (!)
5
Anoden-/Kapselvorspannung +120 V
+210 V (!)
6
Fernsteuerung Richtchar. 0–120V
Meßeingang
7
Null Volt, Gehäuse


* der Steckverbinder des U 67 ist eine Sonderanfertigung mit leicht versetzter Codierungs-Nase. Hierdurch ist ein irrtümlicher Anschluß des M 269 an ein Netzteil des äußerlich praktisch identischen U 67 ausgeschlossen. Dieser würde unweigerlich zur Zerstörung des Mikrophons führen.

Bezugsquelle für die Steckverbinder:

Neben dem ursprünglichen Hersteller, der Firma Amphenol-Tuchel, hat auch die Firma Binder einige der benötigten Stecker in ihrem Herstellungsprogramm. Die Lieferung in Einzelstückzahlen erfolgt über diverse Elektronik-Händler:

Fa. Conrad-Elektronik, bietet alle hier erwähnten Verbinder noch an:
Kleintuchel, 6-polig: Kabelstecker Art.Nr. 73 87 51, Kabelkupplung Art.Nr. 73 87 60
Großtuchel, 7-polig: Kabelstecker Art.Nr. 73 90 06, Kabelkupplung Art.Nr. 73 89 73

Die Kleintuchel-Variante gibt es bei Bürklin-Elektronik in einer etwas breiteren Auswahl, u.a. sind dort Versionen mit größeren Kabeldurchlaß erhältlich (Suchbegriff "Rundsteckverbinder Typ Binder 581/680/682.. (F090.050)"). Auch die Großtuchel-Version gibt es dort ("Maschinen-Steckverbinder Typ Binder 690../691.. (F090.550)").

Bei Reichelt gibt es nur die Kleintuchel-Variante, diese aber recht preiswert (offenbar Fernost-Fertigung).

Auch die Gerätedosen zum Einbau in Netzteilgehäuse sind noch erhältlich.

Geeignete Kabel:

Grundsätzlich kann jedes abgeschirmte, mehradrige Kabel als Anschlußleitung für Röhrenmikrophone genutzt werden. Auf ausreichenden Durchmesser der einzelnen Adern ist zu achten. Spezielle Röhrenmikrophon-Kabel sind aber in jedem Falle vorzuziehen, sie sind nicht nur robuster (trittfester Mantel usw.), sondern haben meist eine aufwendige Abschirmung. Solche Spezialkabel gibt es von Mogami (3172, recht teuer, 6-adrig), von Sommer Cable (Octave Tube, 7-adrig), sowie von Gotham (GAC-7 Tube, 7-adrig). Diese drei Kabel verfügen über jeweils zwei Adern mit etwas größerem Querschnitt, die für die Masse- und die Heizspannungsversorgung genutzt werden sollen (bei der Montage zu beachten!). Durch diesen Ansatz verringert sich der Spannungsabfall der Röhrenheizung, der bei ca. 100mA Heizstrom doch recht beträchtlich ausfallen kann. Ferner sind die beiden Modulationsadern als verdrilltes Paar ausgeführt. Auch dies ist zu beachten, wenn das Potential dieser Kabel ausgeschöpft werden soll.

Stromversorgung:

Die Röhrenmikrophone der KM 5x-Reihe benötigen zum Betrieb zwei Gleichspannungen: zum einen eine Heizspannung für die Röhre von 4 V, sowie eine kombinierte Anoden-/Kapselvorspannung von 120 V.

Von Neumann wurden drei Varianten der Stromversorgung für Mikrophone mit der AC 701 k angeboten: für den Einbau in Regieanlagen war das N 52a vorgesehen, das in der Standard-Rundfunk-Modulbauweise als Dannerkassette ausgeführt wurde. Für den Standalone-Einsatz gab es das Koffernetzteil NKM und eine Batteriespeisung BB 9. Letztere verwendete die damals für Röhren-Kofferradios gebauten Anodenbatterien, die Röhrenheizung wird aus einem wiederaufladbaren Akkumulator gespeist. Da die Anodenbatterien nicht mehr erhältlich sind, können noch brauchbare (nicht durch ausgelaufene Batterien oder Stabilytzellen zerstörte) Batteriegeräte als mechanische Grundlage für Eigenbau-Netzteile dienen.

Zum N 52a ist zu sagen, daß die ursprüngliche Schaltung zur Siebung und Stabilisierung der Heizspannung auf sogenannten Stabilyt-Zellen aufbaute. Faktisch handelt es sich dabei um Nickel-Cadmium-Akkumulatoren (Georg Neumann war ein wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung von NiCd-Akkus). In heute noch im Umlauf befindlichen Exemplaren des N 52a ist anstelle der Stabilyt-Zellen meist schon eine transistorisierte Spannungsregelung für die Heizspannung eingebaut. Die Anodenspannung wird durch eine Stabilisatorröhre (Glimmlampe) konstant gehalten. Der Nachfolgetyp N 52t ist vollständig transistorisiert.

Ebenfalls interessant ist das – allerdings recht rare – Doppelnetzteil, das für die Stereomikrophone SM 23 und SM 69 gebaut wurde. Dieses kann mit einem Kabeladapter problemlos auch für zwei Mono-Mikrophone eingesetzt werden. Wichtig: das Netzteil des SM 2 kann in einer solchen Konfiguration nicht ohne weiteres eingesetzt werden, da hier beide Röhren des Stereomikrophons eine gemeinsame Heizung in Parallelschaltung und somit doppelter Stromaufnahme (200 mA) erhalten.

Netzteil selbst bauen? Nun, der Schaltungsaufbau ist keine Hexerei – bei den heutigen Angeboten diverser Kleinhersteller stecken meist handelsübliche Spannungsregler-ICs (z.B. LM 317 für die Heizung, TL 783 oder der – nicht mehr hergestellte – HIP 5600 für die Anodenspannung) in den Geräten. Geeignete Trafos kann jede Transformatoren-Wickelei für kleines Geld herstellen. Bastler können hier viel Geld sparen, weil sich die meisten Hersteller solcher Netzteile im Windschatten hoher Mikrophonpreise ihre Geräte (zu) teuer bezahlen lassen. Noch vertretbar sind die Preise der Tubelife-Netzteile der sächsischen Firma Powertechnik. Hier steckt in einem 19-Zoll-Gehäuse (1HE) ein Doppelnetzteil für zwei Mikrophone, das auch über die einstellbare Vorspannung zur Fernsteuerung von Doppelmembran-Mikrofonen verfügt. Ebenfalls empfehlenswert und fair kalkuliert sind Netzteile aus der Werkstätte von Leo Eugen Schaal aus Magdeburg, der auch Sonderanfertigungen für fast jede denkbare Bauvariante anbietet. Besonders kompakt und edel verarbeitet (und primär für das Schoeps M221 konzipiert) ist das Netzteil NTM221 der Firma Elvo (Vertrieb durch Schoeps, Karlsruhe). Originalnetzteile sind nicht grundsätzlich abzulehnen, man sollte sie allerdings regelmäßig auf Einhaltung der korrekten Spannungen prüfen. Die Elektrolyt-Kondensatoren in diesen Netzteilen sind vielfach Austauschkandidaten und sollten ersetzt werden.

Noch nicht ausprobiert, aber denkbar: die recht häufigen DDR-Mikrophon-Netzteile N 57 und N 61 sollten nach Neuabgleich der Heizspannung auch ein West-Neumann versorgen können – die Anodenspannungen sind identisch.

In der Regel ausgeschlossen ist der Einsatz von Netzteilen, die mit den heute massenhaft verbreiteten Billig-Röhrenmikrophonen aus chinesischer Fertigung ausgeliefert werden. Diese haben in aller Regel eine zu hohe Anodenspannung von 200 V und sind daher leider ungeeignet.

Die Telefunken-Röhren AC 701 und AC 701 k:

Kern der Mikrophonschaltung bei den bisher genannten Kleinmikrophonen ist die Telefunken-Röhre AC 701. Allmählich werden auch die Lagerbestände dieser Mikrophon-Spezialröhre knapp, so daß man sich Gedanken hinsichtlich einer Ersatzteilbevorratung machen sollte. Es wäre in diesem Zusammenhang ganz besonders dem Gerücht entgegenzutreten, daß die Version "AC 701 k" qualitativ zwangsläufig besser wäre, als die nicht "k"-gestempelte AC 701. Grundsätzlich steht in der Telefunken-Nomenklatur ein angehängtes "k" an der Typbezeichnung für ein ausgesucht klingarmes Exemplar einer Röhre, d.h. mechanische Schwingungen führen nicht zu hörbaren Geräuschen, die etwa am Ausgang einer Verstärkerschaltung als hörbares Signal auftauchen. Dieser als "Mikrophonie" bezeichnete Effekt sollte in einer Mikrophonschaltung tunlichst vermieden werden.
Die im Telefunken-Röhrenwerk Ulm gefertigte AC 701 ist ein feinmechanisches Meisterwerk mit entsprechend engen Toleranzen. Dennoch nahm Neumann nochmals eine Eingangskontrolle vor, um Röhren auf die hauseigenen Parameter hinsichtlich Rausch- und Klingarmut zu prüfen. Einwandfreie Exemplare erhielten den "k"-Stempel sowie anfangs eine Papier-Banderole; nicht genügende Röhren gingen an Telefunken zurück. Ab einem bestimmten Zeitpunkt fiel daher bei Telefunken die Entscheidung, die Röhren grundsätzlich selbst entsprechend den Neumann-Spezifikationen zu prüfen, und nur noch solche enger tolerierten Röhren auszuliefern. Hierzu trugen auch konstruktive Weiterentwicklungen bei. Diese Röhren sind auf einen Blick erkennbar: sie tragen eine Seriennummer, die mit den Ziffern '03' endet. Diese Ziffern bezeichnen nach Auskunft eines Telefunken-Mitarbeiters eine Art Versionsnummer ("Indexnummer"), wobei '03' den höchsten Versionsstand der AC 701 darstellt.

In erster Näherung sind also AC 701 mit einer auf 03 endenden Seriennummer mikrophon-tauglich, frühere Exemplare sollten ein "k" aufgestempelt haben. Ansonsten ist eine Einzelprüfung unerläßlich.

Vorsicht ist auch bei AC 701 geboten, die statt des (bei allen Serienexemplaren vorhandenen) roten Punktes zur Markierung des Anodenanschlusses einen blauen Punkt aufweisen. Bei diesen eher seltenen Exemplaren handelt es sich um Labormuster mit teilweise abweichenden technischen Daten.

Das DDR-Röhrenwerk Neuhaus stellte eine Variante der AC 701 her, die dort als AC 761 angeboten wurde. Von den technischen Daten ist die Röhre zum Telefunken-Produkt identisch. Interessanterweise hat das ostdeutsche Neumann-Werk in Gefell diese Röhre nie verwendet, vermutlich verließ man sich lieber auf eine in großen Stückzahlen greifbare, bewährte und preiswerte Rundfunkröhre. Wo es auf Miniaturisierung ankam (etwa im Stereo-Mikrophon ZUM 64), griff man auf die in den hauseigenen Meßmikrophon-Verstärkern bewährte EC 760 zurück. Aus diesem Grunde ist die AC 761 heute kaum anzutreffen, Aussagen hinsichtlich der durchschnittlichen Qualität sind schwer möglich.


Abb.: Röhren AC 701, AC 701 k, AC 761. Die AC 701 hat eine Indexnummer 03, entspricht also der letzten gefertigten Produktversion. Die AC 701 k zeigt die Neumann-typische Spiralwicklung der Anschlußdrähte zur Wärmeableitung beim Einlöten. Von den äußeren Dimensionen identisch zu den West-Röhren: die ostdeutsche AC 761.

Die Montage der AC 701 in den Mikrophonen ist eine eher unangenehme Aufgabe. Zu beachten ist, daß die Anschlußdrähte nicht gekürzt werden dürfen, sondern spiralförmig aufzuwickeln sind (von Neumann gelieferte Röhren waren entsprechend vorbereitet). Dies dient der Wärmeableitung beim Einlöten, ebenso ist eine Wärmeableitpinzette zu verwenden, um ein Springen des Röhrenkolbens weitgehend auszuschließen. Ein Berühren des Röhrenkolbens ist zu vermeiden! Die dabei entstehenden Fingerabdrücke auf der schwarzen Lackierung reichen evtl. bereits aus, die Eingangsimpedanz der Verstärkerstufe nachteilig zu beeinflussen!

 

Kleinmikrophone von Neumann & Co., Gefell – das M 582

Der ostdeutsche Neumann-Ableger ließ sich mit der Einführung eines kleinen Röhrenmikrophons etwas mehr Zeit als die Westberliner Kollegen. Vom äußeren Design her suchte man eine Anlehnung an die KM-5x-Reihe. Man beschränkte sich auf die wesentlichen Richtcharakteristiken Kugel und Niere. Dabei ist die Kapsel des Nierenmikrophons (M 94) mit der des KM 54 absolut identisch. Bei einigen Exemplaren der Nierenkapsel wurde allerdings vor die Nickelmembran eine gelochte Kunststoffkappe gesetzt, die als Resonator dient und für eine etwas brillantere Höhenwiedergabe sorgen soll. Die Kugelkapsel M 58 ist hingegen eine komplette Gefell-Eigenentwicklung mit goldbedampfter PVC-Membran, deren Klang keinerlei Ähnlichkeit zum KM 53 hat.


Abb.: Neumann & Co. M 582 mit Kapsel M 58, M 582.1 mit Kapsel M 62, rechts daneben ein Neumann KM 54 zum Größenvergleich

Hinsichtlich der im Mikrophon verbauten Röhre hatte man seit 1955 gute Erfahrungen mit einer ganz gewöhnlichen Rundfunkröhre gesammelt: der UKW-Triode EC 92, die wechselweise vom Funkwerk Erfurt oder (überwiegend) vom Röhrenwerk Neuhaus bezogen und in Gefell auf Rausch- und Klingarmut selektiert wurde. Die EC 92 findet sich bereits im Flaschen-Nachfolger CMV 563, und sie wurde nun auch im Kleinmikrophon M 582 eingesetzt. Der im Vergleich zur AC 701 deutlich größere Außendurchmesser der Röhre erlaubte es nicht, das Gehäuserohr ähnlich schlank zu gestalten – der Durchmesser von 25 mm ist allerdings immer noch recht kompakt, läßt aber trotzdem eine weniger gedrängte Ausführung des Innenaufbaues zu, als bei den West-Neumännern. Auch die in einen Sockel gesteckte (und nicht verlötete) Röhre erleichtert den Service beträchtlich.

Im Unterschied zur KM-5x-Reihe sind auf den Verstärker M 582 alle passenden Gefell-Kapseln, auch aus späterer Produktion, problemlos aufschraubbar. Nicht passend ist nur die umschaltbare Großkapsel UM 70, die einen zusätzlichen Kontaktring erfordern würde. Eine eventuell nötige Anpassung der Kapsel-Vorspannung geschieht im Kapselkopf selbst. Der Austausch der Kapsel ist (bei ausgeschaltetem Mikrophon!!!) ohne Werkzeug möglich. Eine Ausnahme von der Regel ist die Rundfunk-Spezialausführung M 582.1 mit der Kapsel M 62; diese ist, wie beim funktionsgleichen Berliner Typ KM 54, mit drei Madenschrauben am Verstärker befestigt. Soll diese Kapsel abgenommen werden, müssen (wie bei den West-Neumann-Mikrophonen) die Schrauben nach innen gedreht werden – aber nicht zu weit, denn das Gewinde hat keinen Anschlag, und die Schraube verschwindet in diesem Falle auf Nimmerwiedersehen in der Kontaktbuchse des Mikrophonverstärkers.


Abb.: Blick in ein geöffnetes M 582. Im oberen Gehäuseteil ist die Röhre EC 92 angeordnet, sie steht zur Gewinnung möglichst kurzer Signalwege zur Kapsel kopfüber. Die untere Hälfte des Verstärkers wird großenteils vom Ausgangsübertrager eingenommen.

Gefell-Stecker

Zum Anschluß seiner Röhrenmikrophone verwendete das Gefeller Neumann-Werk eine eigene Familie von Steckverbindern ("Neumann-Steckverbinder" NS 84–86), die äußerlich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit den westdeutschen Großtuchel-Steckern aufweist. Abweichend ist die Anordnung der Kontaktstifte (bei den Röhrentypen ein 6-poliger Verbinder, wobei der Mittenkontakt nur beim Großmembranmikrophon UM 57 benutzt wird, und daher bei den anderen Typen manchmal fehlt), sowie das etwas grobschlächtig wirkende Gewinde der Verriegelung. Die – zumindest bei späteren Versionen des Steckers – zu beobachtende Ausführung des äußeren Gehäuses in grauem Kunststoff paßt perfekt in das Klischee vom Plaste-und-Elaste-Land DDR. Beim Verlöten der Steckverbinder ist zu beachten, daß der Schmelzpunkt des Kunststoffs relativ niedrig liegt – kurze Lötzeiten sind daher sinnvoll, aber aufgrund der oftmals schlechten Löteigenschaften des Kontaktmaterials nicht immer einfach zu erreichen. Angenehm ist, daß praktisch alle Röhrenmikrophone aus Gefell den identisch gleichen Steckverbinder mit der immer gleichen Anschlußbelegung benutzen:

Stift Bezeichnung
1 Masse
2 Modulation a
3 Anoden-/Kapselvorspannung +120 V
4 Heizspannung 5,8 V / 140 mA
5 Modulation b
6 Steuerspannung für Richtcharakteristik (nur UM 57) 0-120V

Die Steckverbinder sind neu nicht mehr ohne weiteres erhältlich. Ggf. verfügt Microtech Gefell noch über Restbestände, ansonsten bleibt nur der Kauf über eBay und ähnliche Quellen.

Die Röhre EC 92

Die Verstärkerröhre des M 582 ist die oben schon erwähnte EC 92. Auch wenn dieser Röhrentyp neu nicht mehr gefertigt wird (obgleich dies möglich wäre: es handelt sich um eine Hälfte der Doppeltriode ECC 81), sind Ersatzröhren in brauchbarer Qualität durchaus noch greifbar. Röhren aus der Produktion des Röhrenwerkes Neuhaus sind ideal, aber auch Valvo- oder Telefunken-Röhren sind gut geeignet. Der amerikanische Paralleltyp 6 AB 4 rauscht u.U. zu stark. Originalröhren, die im Neumann-Werk selektiert wurden, tragen auf dem Glaskolben eine rote oder schwarze Stempelung "Spez. M", was sie als Mikrophon-Spezialröhre ausweist.

Wird das Mikrophon in Verbindung mit einem unmodifizierten Original-Netzteil N 61 oder UN 61 benutzt, kann statt der EC 92 auch die UC 92 verwendet werden, die mangels sonstiger Anwendungsmöglichkeiten oftmals geradezu verschleudert wird. Durch Zufall pendelt sich die Heizspannung genau auf dem für die UC 92 gewünschten Wert ein. Bei Verwendung eines modernen Netzteils mit Spannungs-Stabilisierung funktioniert dieses Spiel jedoch natürlich nicht – hier ist ein Neuabgleich des Netzteils erforderlich, ebenso wie bei der ebenfalls als Ersatz denkbaren PC 92.

Zu beachten ist, daß die Heizspannung der EC 92 in den Mikrophonschaltungen mit 5,8 Volt definiert ist, was faktisch einer Unterheizung der eigentlich mit 6,3 Volt Heizspannung spezifizierten Röhre gleichkommt. Eine Anhebung der Heizspannung auf den Sollwert ist weder sinnvoll noch notwendig, sondern führt vielmehr zu stärkerem Rauschen. Andererseits sollten die 5,8 Volt nicht deutlich unterschritten werden – der Spannungsabfall im Mikrofonkabel muss dabei ins Kalkül gezogen werden. Bewährt hat sich, beim Abgleich des Netzteils entweder von vorneherein 0,2 Volt zuzugeben, oder die Heizspannung direkt im Mikrophon zu messen. Die Anodenspannung entspricht den auch von der AC 701 bekannten 120 Volt.

Stromversorgungen für Gefell-Röhrenmikrophone

Grundsätzlich wurden bei Neumann & Co. in Gefell die gleichen Bauvarianten für Mikrophon-Netzteile angeboten wie von Neumann Berlin: es gab Netzteile in portabler Ausführung (N 57, N 61, sowie Varianten UN 57 und UN 61 mit Richtcharakteristik-Umschalter für UM 57 und ZUM 64), sowie ein modulares Netzteil zur Integration in die ostdeutsche Variante der Rundfunk-Modultechnik als Pendant zum N 52a. Einzig eine Batterieversorgung wurde wohl nicht angeboten. Für den recht häufigen Einsatz in Beschallungsanlagen gab es eine Variante des Netzteils, die einen transistorisierten Vorverstärker enthielt (Netzteil N 61 V). Dieser ist jedoch von einfachster Bauart mit völlig indiskutabler Qualität und sollte, wo er noch vorhanden ist, sofort aus dem Netzteil ausgebaut werden. Diese Maßnahme ist einfach durchzuführen, die Platine ist problemlos zugänglich.

Zum Schaltungskonzept der Originalnetzteile ist zu bemerken, daß Neumann Gefell auf eine Stabilisierung der Heizspannung verzichtet hat. Die Anodenspannung wird analog N 52a durch eine Stabilisatorröhre auf 120 Volt konstant gehalten. Die Richtcharakteristik-Fernsteuerung für Großmembran-Mikrophone ist lediglich dreistufig (Kugel/Niere/Acht), während die in Berlin hergestellten Netzteile entweder einen feinen Stufenschalter oder ein Potentiometer zur stufenlosen Einstellung von Zwischenwerten enthielten. Einer Umrüstung auf eine derartige Lösung steht nichts im Wege.

Beim Betrieb der Netzteile N 57, N 61 usw. ist zu beachten, dass Ein- und Ausgangsbuchse der Netzteile identisch sind. Allerdings muss die Zuleitung zum Mikrofon immer an die linke Buchse angeschlossen werden, da nur an dieser die Betriebsspannungen anliegen. An der rechten Buchse sind nur die drei Stifte für den symmetrischen Tonausgang beschaltet. Aufgrund der fehlenden Stabilisierung der Heizspannung gilt der Hinweis "erst alles anschließen, dann einschalten" bei diesen Netzteil besonders dringend.

As moderne Netzteilvariante bieten sich die von Microtech Gefell angebotenen Netzteile für das UM 92 an, daneben steht auch von Powertechnik ein Tubelife-Doppelnetzteil als 19"-Einschub zur Verfügung.

Defekte Mikrophon-Kapseln und ihre Reparatur:

Symptome für eine defekte Mikrophonkapsel sind geringe Empfindlichkeit, eingeschränkte Baßwiedergabe, und in erster Linie ein Störgeräusch, das sich wie Donnergrollen anhört und deutlich stärker wird, wenn man das Mikrophon anhaucht. Es ist ein Hinweis auf eine nicht mehr intakte Isolierung der Kapsel.

Nach meiner Kenntnis führt Neumann inzwischen keine Reparaturen an den Kapseln des KM 53, KM 54 und KM 56 mehr aus, da gemäß der aktuellen Unternehmensphilosophie Kapseln grundsätzlich nicht repariert, sondern durch neue ersetzt werden. Zeitweilig gab es von Neumann einen Adapter, durch den die KM 64-Kapsel auf einen KM 54-Verstärker montiert werden konnte. Microtech Gefell bietet die Reparatur bzw. den Austausch alter Kapseln noch an und verwendet originale Materialien (z.B. PVC-Folie statt PE).

Die Kapseln des KM 54 und KM 56 und alle Gefell-Kapseln können von einigen Spezialisten (z.B. Thiersch Elektroakustik in Schleiz-Möschlitz) durchaus repariert werden, d. h. es wird die alte Membran entfernt, eine Reinigung der Kapsel vorgenommen und anschließend eine neue, galvanisch erzeugte Nickelmembran (bzw. eine vergoldete Kunststoffmembran bei der M 58) montiert. Für einen verbesserten Korrosionsschutz erhalten die Nickelmembranen auf Kundenwunsch eine aufgedampfte Vergoldung. Akustisch hat diese keine Auswirkungen.


Abb.: Neumann-Mikrophonkapsel KK 54, Anschauungsexemplar mit zur Hälfte entfernter Nickelmembran. Die mit hauchdünnem Abstand dahinterliegende Elektrode mit den zahlreichen Bohrungen ist deutlich erkennbar.

Diese Reparatur ist beim KM 53 (sowie beim diesbezüglich baugleichen M 50) leider nicht möglich: derzeit kann niemand die sehr dünne, gewalzte Aluminium-Membranfolie dieser Mikrophonkapsel in der erforderlichen Qualität herstellen, die Produktionsanlagen hat Neumann schon vor Jahren verschrottet. Auch das Aufspannen der extrem straff gespannten Membran ist bisher nicht geglückt. Allenfalls könnte die Titan-Kapsel des modernen M 150 bzw. des transistorisierten TLM 50 als Ersatzteil dienen, diese ist allerdings sehr kostspielig, und entspricht klanglich nicht dem Aluminium-Original.

Seit 2012 bietet Neumann (Berlin) zu seiner Mikrophon-Baureihe KM18x eine weitere Kapsel an, die auf der genannten Titankapsel des M 150 / TLM 50 basiert. Dieser mit der Typenbezeichnung KK133 versehene Kapselkopf erlaubt somit erstmals seit geraumer Zeit wieder die Konfiguration eines Kleinmikrophons mit dieser klassischen Konstruktion. Im nebenstehenden Bild wurde die Kapsel mit einem Vorverstärker KM D zu einem Digitalmikrophon KM 133 D kombiniert. Bezüglich der klanglichen Abweichungen zum originalen KM 53 gilt nach ersten Hörtests das bereits gesagte. Eine Wiederauflage der originalen Aluminiumkapsel bleibt somit auf der Wunschliste.

Besonderheit der hier angebotenen Konstruktion ist die nahezu offenliegende Kapsel. Anstelle des beim KM 53 vorhandenen Schutzkorbes wird die Membran des KK 133 nur durch eine mit Löchern versehene Abdeckplatte geschützt, die den zur Fixierung der Membrane ohnehin erforderlichen Schraubring ersetzt. Durch diese Anordnung kann die mitgelieferte Schallbeugungskugel nahezu bündig aufgesteckt werden, wodurch sich ebenfalls eine Alternative zum inzwischen nicht mehr lieferbaren TLM 50 ergibt.

Dringend beherzigt werden sollte der Hinweis, auf keinen Fall die ringförmig um die Membran des KM 53 herum angeordneten Schräubchen zu lösen, etwa um Reinigungsversuche an der Membrane zu unternehmen. Durch diesen Schritt wird eine evtl. noch funktionierende Kapsel unwiederbringlich zerstört.

Die Kapseln der moderneren KM 63/64/66 mit goldbedampfter Kunststoff-Membran können problemlos durch die der Nachfolgetypen KM 83/84/86 ersetzt werden, die bei Neumann auf Anfrage als Ersatzteil erhältlich sind.

Hinweise zur schonenden Behandlung von Röhrenmikrophonen:

  1. Immer erst alle Kabel anschließen, dann die Stromversorgung einschalten. Hintergrund: Wird das Mikrophon an ein bereits laufendes Netzteil angeschlossen, sind im Moment des Anschließens zu hohe Heiz- und Anodenspannungen vorhanden. Dadurch können sowohl die Kapsel als auch die Röhre beschädigt werden.
  2. Niemals in das Mikrophon pusten. Diese Unsitte kann zu Kurzschlüssen und Funkenüberschlägen führen, durch die besonders Metallmembranen beschädigt werden. Funktionskontrolle stattdessen immer durch normales Sprechen.
  3. Starke mechanische Erschütterungen bei eingeschaltetem Mikrophon sind Gift für die Röhre. Sie können zu Fadenbruch führen. Ein Fallenlassen des Mikrophons ist unter allen Umständen zu vermeiden – daher ist ein Einsatz von Röhrenmikrophonen bei Live-Produktionen eher nicht empfehlenswert. Auch nach dem Ausschalten sollte man noch etwas warten, bevor man das Mikrophon etwa vom Stativ abnimmt.
  4. Immer lohnenswert ist der Einsatz moderner, stabilisierter Netzgeräte. Diese haben vielfach eine "Soft-Start-Schaltung", mit der nach dem Einschalten die Betriebsspannungen langsam hochgefahren werden. Eigenbau ist möglich. Originalnetzteile sollten regelmäßig auf Einhaltung der Spannungen geprüft werden.

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